Pflege und Soziales: Arbeitszeit runter, Löhne rauf!

Von vorwärts-Redaktion
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Pflege und Sozialbereich gelten als klassische Frauenbranchen und werden auch so bezahlt. Die Löhne liegen deutlich unter dem Durchschnitt. Nach Corona wurde viel versprochen: Pflege und Sozialarbeit sollten endlich aufgewertet werden. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil eingetreten. In Bereichen wie der Betreuung von Menschen in schwierigen Lehenslagen ist der Abstand zum Durchschnittseinkommen in den letzten Jahren sogar größer geworden. Im Sozial- und Pflegebereich werden zentrale Mechanismen der Frauenunterdrückung besonders deutlich. Dazu gehören vor allem niedrige Grundlöhne und extrem flexibilisierte Arbeitszeiten. Arbeitszeitrecht und Kollektivverträge etwa bei Sozialwirtsehaft Österreich, Caritas, Diakonie oder Rotem Kreuz erlauben eine enorme Flexibilisierung der Arbeitszeit. In der Praxis bedeutet das: Mehr- und Überstunden werden schlecht bezahlt, während Arbeitgeber bei Bedarf auf billige Mehrarbeit zurückgreifen können. Dieses System begünstigt Teilzeitverträge. Gleichzeitig werden Einspringen und Randzeiten vor allem Nachtarbeit finanziell besser vergütet. Viele Kolleg:innen, vor allem Männer, versuchen so ihr niedriges Grundgehalt aufzubessern. Doch diese „Strategie“ hat einen hohen Preis: Gesundheitliche Belastungen steigen, und Beschäftigte mit Betreuungspflichten, meist Frauen, können diese Arbeitszeiten gar nicht leisten, weil sie an die Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen gebunden sind. Es ist daher kein Zufall, dass man in sozialen Einrichtungen nachts deutlich häufiger Männer antrifft als tagsüber.

Wachsende Kampfbereitschaft

Gleichzeitig hat sich im Sozialbereich in den letzten Jahren eine spürbare Radikalisierung entwickelt. Seit den Streiks 2018 nehmen Arbeitskämpfe zu, immer mehr Betriebsrät:innen vertreten kämpferische Positionen, und eine Reihe demokratischer Basisinitiativen ist entstanden. Der Aufbau von „Sozial, aber nicht blöd“ seit 2013 ist ein wichtiger Teil dieser F.ntwicklung. Besonders auffällig ist dabei die RoIle von Frauen: In vielen der neuen Initiativen und Arbeitskämpfe stehen engagierte Kolleginnen an vorderster Front. Die Streikwelle 2020 im privaten Sozialbereich rund um die KV-Verhandlungen bei Sozialwirtschaft, Caritas und Diakonie oder der Arbeitskampf in der Freizeitpädagogik zeigen, dass sich eine neue Generation von Beschäftigten politisiert hat. Für die zuständigen Gewerkschaften wäre diese Radikalisierung eine große Chance gewesen, um reale Verbesserungen für die Beschäftigten und insbesondere für Frauen zu erkämpfen. Doch statt offensiv gegen Kürzungen und Sehließungen zu mobilisieren, bleibt die Gewerkschaftsführung weitgehend passiv. Gleichzeitig dienen Budgetkürzungen als Argument. um teils mehrjährige Abschlüsse zu akzeptieren, die bereits jetzt massive Reallohnverluste bedeuten – Verluste, die angesichts der internationalen Entwicklungen und steigender Energiepreise 2027 noch größer ausfallen werden. Die aktuellen Konflikte machen aber auch deutlich, dass diese Politisierung an der Basis weitergeht. Die Streiks in Salzburg gegen die Streichung des Pflegebonus oder die aktuellen Arbeitskämpfe in den Ordensspitälern in Oberösterreich geben Anlass zur Hoffnung, dass die Radikalisierung nun auch stärker auf die Pflege übergreift. Ein Blick ins Ausland zeigt, welches Potenzial darin steckt: In Teilen Deutschlands, in Belgien und anderen Ländern stehen häufig junge Frauen aus der Pflege an der Spitze wichtiger Arbeitskämpfe. Österreich könnte diesem Beispiel bald folgen.

wir sagen:

  • Volle Solidarität mit dem Arbeitskampf in den Ordensspitälern! Wenn dort ein hoher Abschluss und eine Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt werden, könnte das ein inspirierendes Beispiel für den gesamten Bereich sein.
  • Drastische Erhöhung der Grundlöhne und —gehälter um 500 Euro. Prozentuale Erhöhungen öffnen die Lohnschere weiter. Ein fixer Zuschlag könnte die Verluste der letzten Jahre ausgleichen und einen echten Schritt nach vorne ermöglichen.
  • Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich
  • 20% mehr Personal - im öffentlichen wie im privaten Bereich gegen Burnout und für verlässliche Dienstpläne.
  • Ein bundesweiter Streik— und Aktionstag der gesamten Branche, öffentlich wie privat, um gemeinsam in die Offensive zu kommen