US-Imperialismus in Westasien: Zwischen Chaos und Kontrolle

Von Brettros
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Seit Februar hat der Angriffskrieg der USA und Israel gegen den Iran die ohnehin katastrophale Lage im westasiatischen Raum weiter verschlimmert. Eine ganze Region droht in Chaos und Gewalt zu versinken – Ergebnis geostrategischen Taktierens und seiner Profiteur:innen.

Krieg um Kontrolle

Monate nach Beginn dieser Eskalation ist klar: Es ging nie um „Freiheit“ oder „Demokratie“ im Iran. Tatsächlich geht es um die Neuordnung einer strategischen Schlüsselregion des globalen Kapitalismus – und um die Frage, wer sie kontrolliert. Der genozidale israelische Imperialismus strebt eine Neuordnung des westasiatischen Raumes unter seiner Vorherrschaft an. Feuerpausen mit dem Iran bedeuten für das Netanyahu-Regime höchstens, sich stärker auf den Genozid an Palästinenser:innen und die Invasionspolitik im Libanon zu konzentrieren.

Für die USA geht es um die Sicherung ihrer globalen Vormachtstellung. Entscheidend ist die Kontrolle über Handelsrouten – und, wo möglich, direkter Zugriff auf Ressourcen wie Öl. Sanktionen, Drohungen und Blockadepolitik sollen das iranische Regime zu Konzessionen zwingen – vor allem beim Atomprogramm und seiner regionalen Rolle. Ein Regimewechsel ist für Trump & Co kein zwingendes Ziel. Es reicht, wenn sich der Iran den Spielregeln unterordnet oder berechenbar wird. Dieses Modell erprobt das Trump-Regime parallel in Venezuela und Kuba.

Die EU beobachtet die Eskalation, ohne ihre Verbündeten ernsthaft zu konfrontieren. Im westlich-imperialistischen Machtblock gibt es Spannungen, aber keine Bruchlinien hinsichtlich des gemeinsamen Interesses westlicher Hegemonie in Westasien.

Instabilität als Machthebel

Militärisch sind die USA und Israel überlegen. Politisch ist die Lage weniger eindeutig. Das iranische Regime ist nicht zusammengebrochen – im Gegenteil: Es kann die Kosten des Konflikts global erhöhen. Vor allem die Drohung, die Straße von Hormus – einen zentralen Engpass der Ölversorgung – zu stören, wirkt als Druckmittel. Schon die Möglichkeit einer Blockade erschüttert Märkte. Gleichzeitig trifft dieses Mittel auch China, einen wichtigen Verbündeten Irans.

Damit tritt ein Grundproblem des Krisen-Kapitalismus offen zutage: seine Verwundbarkeit. Eine global vernetzte Ökonomie hängt an wenigen Knotenpunkten. Werden sie bedroht, gerät das System ins Wanken. Militärische und ökonomische Kriegsführung gehen ineinander über. Sanktionen, Blockaden und militärische Eskalation sind Teil derselben imperialen Strategie.

Zwischen Bomben und Repression

Für das iranische Regime ist der Krieg widersprüchlich. Nach Jahren sozialer Proteste verschafft ihm äußerer Druck kurzfristig Luft. Unter dem Vorwand der „nationalen Verteidigung“ kann es Repression verschärfen und Opposition delegitimieren. Doch diese Stabilisierung ist brüchig. Ökonomische Krise, Ungleichheit und politische Erstarrung bestehen fort. Der Krieg überdeckt diese Widersprüche – lösen kann er sie nicht.

Am härtesten trifft die Eskalation jene Kräfte, die für Freiheit und soziale Veränderung kämpfen. Bewegungen wie „Frau, Leben, Freiheit“, unabhängige Gewerkschaften oder Studierendeninitiativen geraten zwischen die Fronten. Sie werden nicht „befreit“, sondern bombardiert, verfolgt und zum Schweigen gebracht. Gleichzeitig versuchen reaktionäre Exilkräfte, sich als Alternative anzubieten – oft im Bündnis mit imperialistischen Interessen. Für eine emanzipatorische Perspektive ist das eine Katastrophe. Auch vor der Instrumentalisierung kurdischer Kräfte im Interesse des westlichen Imperialismus muss gewarnt werden: Der Kampf um Selbstbestimmung wird so untergraben und verraten, wie das Beispiel Rojava zeigt.

Eine Perspektive im Interesse der arbeitenden Bevölkerung – im Iran wie international – muss gegen beide Seiten entwickelt werden: gegen das autoritäre Regime in Teheran und seine chinesischen und russischen Verbündeten ebenso wie gegen die westlich-imperialen Mächte, die die Region im eigenen Interesse in Brand halten. Nur eine solche unabhängige Politik kann die Grundlage für wirkliche Befreiung schaffen.