Werbe-KV: Lieber Streik als schlechter Abschluss!

Von Irene Mötzl, Betriebsrätin im Werbe-KV
vorwärts 328 Österreich Betrieb und Gewerkschaft

Am 19. März einigten sich die Arbeitgeber der Wiener Werbewirtschaft und die GPA auf einen neuen Kollektivvertrag für rund 12.000 Beschäftigte der Werbe- und Marktkommunikation. Betroffen sind u. a. Kolleg:innen aus ORF-Töchtern, Teilen der APA, Gewista, Epamedia, privaten Sozialforschungsinstituten sowie dem Wohnservice Wien.

Die Arbeitgeber gingen von Beginn an mit harter Linie in die Verhandlungen. Zwischen Herbst 2025 und März 2026 gab es nur unterirdisch niedrige Angebote. Nach einer kämpferischen Kundgebung am 16. März wurde eine KV-Erhöhung von 2,8% paktiert – gültig ab 1. Mai für acht Monate.

Reallohnverluste statt Verbesserungen

Eine IST-Erhöhung gibt es bei diesem Kollektivvertrag traditionell nicht (was schon vor Jahren kämpferische Kolleg:innen zu Schildern mit: „Alles außer IST ist Mist“ bewegte). Für viele Kolleg:innen bedeutet der Abschluss einen realen Einkommensverlust: Kolleg:innen, die nach KV bezahlt werden, leiden durch die niedrige KV-Erhöhung einen direkten Reallohnverlust. Bei Kolleg:innen, die über dem Kollektivvertrag verdienen (sog. „Überzahlung“), hängt es von Betriebsvereinbarungen oder dem Verhalten der Geschäftsführungen ab. Häufig werden KV-Abschlüsse einfach weitergegeben – was heuer ebenfalls Reallohnverluste bedeutet. In anderen Fällen bleiben die Gehälter unverändert, was die Verluste weiter verschärft.

Kurswechsel dringend notwendig

Die Ausgangslage ist in den Betrieben sehr unterschiedlich: Manche sind sehr klein, andere wenig kampfbereit. Gleichzeitig existieren Belegschaften mit langer kämpferischer Tradition, die absolut streikbereit gewesen wären. Leider wurde diese Streikbereitschaft von der zuständigen Gewerkschaft GPA im Vorfeld nicht abgefragt, es gab auch keine Strategie wie man Kolleg:innen in schwierigen Situation bei der Streikorganisierung helfen könnte. Auch fehlte eine Urabstimmung der betroffenen Gewerkschaftsmitglieder über den KV-Abschluss.

Eine Betriebsrätin aus dem Wohnservice Wien beschreibt, dass die Ausgangslage zwar schwierig gewesen sei, die Gewerkschaft aber zu wenig auf eine kämpferische Strategie gesetzt und die Kolleg:innen unzureichend eingebunden habe. Entsprechend groß sei der Unmut nach dem Abschluss gewesen. Für die nächste KV-Runde gehe es darum, sich besser zu organisieren und – wenn nötig – auch zu streiken.

Der Abschluss macht deutlich: Die Sozialpartnerschaft ist tot. Den zuständigen Gewerkschaften wie der GPA muss klar sein: Mit alten Verhandlungsstrategien wird keine echte Verbesserung erreicht. Kämpferische Kolleg:innen sollten sich zusammentun, eine gemeinsame Kampagne entwickeln, Streikworkshops, Seminare und ähnliches organisieren, um Kolleg:innen zu unterstützen, die aktiv werden wollen. Für echte Verbesserungen braucht es einen Kurswechsel, hin zu einer kämpferischen und demokratischen Strategie. Eine Kampagne von unten für eine Erhöhung aller Löhne und Gehälter (IST-Erhöhung) könnte hier der erste Schritt sein.